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Genossenschaften
'Dritter Weg' zwischen Miete und Eigentum
Barbara von Neumann-Cosel
In dem Artikel "Genossenschaften - Clevere Alternative oder Krämerladen?" in Ihrer Zeitschrift (ME 283, die Red.) problematisieren Sie das Engagement in Wohnungsbaugenossenschaften und sprechen dabei aber ausschließlich über die derzeit vom Berliner Senat geförderten eigentumsorientierten Genossenschaften. Nicht erwähnt wird, dass besonders auf dem Berliner Wohnungsmarkt seit mehr als 100 Jahren eine vielfältige Genossenschaftsbewegung aktiv ist, die sich genau gegen die von Ihnen bemängelten Missstände wendet. Typisch für die über 70 Berliner Wohnungsgenossenschaften sind traditionell ein geringes, an den Kostengrenzen und nicht an Renditeaussichten - orientiertes Mietenniveau, schlanke bewohnerorientierte Verwaltungen sowie die Chance, aber nicht die Verpflichtung, zum Engagement im eigenen Wohngebiet. Voraussetzung dafür ist eine - im Vergleich zur privaten Eigentumsbildung - minimale Kapitalbeteiligung mit Genossenschaftsanteilen. Viele Bewohner wissen ihre Vorteile als Genossenschaftsmitglieder zu schätzen, was sich in überdurchschnittlich hoher Wohnzufriedenheit sowie geringen Fluktuationsraten ablesen lässt.
Die Wurzeln dieser genossenschaftlichen Unternehmen sind breit gestreut, sie reichen von sozial- und wohnreformerischen Ansätzen bis zu Versorgungsmodellen für Beamte und Staatsangestellte. Generell wurden hier jedoch die Grundzüge für sozial orientierte Wohnungsunternehmen entwickelt, auf deren Basis vornehmlich in den 20er Jahren die städtischen Wohnungsgesellschaften gegründet wurden, deren momentane Verdrängung Sie in Ihrem Kommentar beklagen.
Vor dem Hintergrund des Wegfalls öffentlichen Engagements im Wohnungsbau und der dominanten Förderung der Eigentumsbildung erscheint uns die Notwendigkeit, diesen "Dritten Weg" der Wohnungsgenossenschaften zwischen Miete und Eigentum zu stärken, dringend geboten. Es geht hier doch um Ansätze zur Stärkung von Bewohnerrechten, sozialer Stabilisierung von Wohnquartieren und Vermeidung von Segregationseffekten.
Veröffentlicht in: MieterEcho Nr. 284 - März/April 2001
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