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Kann man vor dem Rest der Welt die Augen verschließen und es sich gemütlich machen? Der Weltkongress zur Zukunft der Städte in Berlin bildet das formale Ende der internationalen Initiative von Rio aus dem Jahre 1992 (UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung), bei der die Folgen des gegenwärtigen Raubbaus an Mensch und Natur durch die ungezügelte wirtschaftliche Expansion im Begriff der nachhaltigen Entwicklung (Agenda 21) erstmalig weltweit thematisiert wurde. 1992 ging man davon aus, dass der Bericht über die gegenwärtige Situation der Städte aus der Sicht der Betroffenen, der Stadtbewohner und ihrer Initiativen und Organisationen geschrieben werden muss. Die Nationen verpflichteten sich, dafür die finanziellen Mittel und Kooperationsangebote bereitzustellen. Auf der Konferenz in Istanbul, Habitat II, verhandelte man nur noch auf Expertenebene im Sinne der Betroffenen. Nachdem der Begriff der "Nachhaltigkeit" zum Strategiebegriff für gesellschaftliche Modernisierung schlechthin geworden ist und die tatsächlichen Auswirkungen eben dieser Modernisierung auf den größten Teil der Stadtbewohner völlig ausgeblendet sind, wird auf der Konferenz "Urban 21" mit einer inhaltsleeren und dem eigentlichen Anliegen von Rio knapp verfehlenden Deklaration zu rechnen sein, die für die Globalisierung und dessen Auswirkungen auf die Stadtentwicklung keinen weiteren Einfluss haben dürfte. Dennoch ist die Konferenz interessant. Sie steht für ein bestimmtes Denken. Experten reden über Stadtentwicklung und die Betroffenen müssen draußen bleiben. Die eigentliche Idee, Nachhaltigkeit aus der Sicht der Betroffenen zu dokumentieren und zu bewerten, ist leider nicht umgesetzt worden. Nehmen wir die Absicht von Rio ernst, dann darf die letzte Chance vor der Verabschiedung der gemeinsamen Deklaration der Teilnehmerländer nicht versäumt werden. Darum haben verschiedene Gruppen die Intitiative ergriffen im Vorfeld und begleitend zur offiziellen URBAN-21-Konferenz, Veranstaltungen durchzuführen, die die Interessen der Bewohner der Städte in ihrer sozialen Vielschichtigkeit vertreten. Die Bewohner und ihre Initiativen, Organisationen und Vereine melden sich selbst zu Wort, bekommen die Möglichkeit, ihre Interessen darzustellen und alternative Strategien für die Stadtentwicklung zu diskutieren. "Bürger, Verwaltung, Wirtschaft - in Partnerschaft gegen Armut und für gesellschaftlichen Zusammenhalt" lautet ein Slogan zur Weltkonferenz URBAN 21. Aber sitzen Bürger, Verwaltung und Wirtschaft in einem Boot? Hören wir endlich auf, den Bürger im allgemeinen zu betrachten und unterscheiden wir statt dessen zwischen denen, die für diese Entwicklung verantwortlich sind, denen, die daran partizipieren und den Enterbten und Entmachteten. Der Slogan der Konferenz soll die Illusion wecken, dass die Probleme der Städte nur noch zu moderieren sind, damit sich die klügste Variante durchsetzen kann. Er ignoriert dabei, dass am Besprechungstisch große Teile der Bevölkerung und ihre Interessenvertretungen nicht nur ausgeschlossen sind, sondern dass man die Probleme der Armut, der Polarisierung und der Ghettoisierung nach wie vor als Probleme der Ausbeutung beschreiben muss. Es wird mit dieser Konferenz nicht über den Bürger im Allgemeinen verhandelt, sondern darüber, ob alle weiterhin die Augen davor verschließen, dass Globalisierung den Zusammenhang des Reproduktionsprozesses des Kapitals in Verbindung zur Ausbeutung der natürlichen und menschlichen Ressourcen bringt und Stadtentwicklung als Prozess von gesellschaftlichen Akteuren zu sehen ist. Nach wie vor erscheint das Kapital als Subjekt der Stadtentwicklung und der Globalisierung. Während man im letzten Jahrhundert noch davon ausging, dass im Produktionsprozess die soziale Kraft der gesellschaftlichen Veränderung geboren wird, sind es m.E. heutzutage die reproduktiven Bedingungen des Kapitals und hier die Stadt als komplexen Ort der Reproduktion, die es ermöglicht den gesellschaftlichen Zusammenhang zu erleben und zu verändern. Also verschließen wir nicht die Augen davor. Dazu gehört auch die Chance, dass die Bewohner selbst zu Interessenvertretern im Stadtentwicklungsprozess werden. Das Angebot alternativer Veranstaltungen kann eine erste Chance dazu sein. |
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